Die Hessinnen und Hessen stehen fest zur Demokratie. Zugleich wünschen sie sich, dass die Politik Probleme sichtbarer löst und auf die Anliegen der Menschen eingeht. Das zeigt der Hessenmonitor 2026, eine repräsentative Bevölkerungsbefragung. Sie ist Teil des Programms „Stärkung der Demokratieforschung“ des hessischen Wissenschaftsministeriums. Wissenschaftsminister Timon Gremmels hat am Freitag gemeinsam mit Prof. Dr. Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg erste Ergebnisse vorgestellt. Sie ist, zusammen mit Prof. Dr. Christian Stecker von der TU Darmstadt, für das Projekt verantwortlich.
"Menschen wünschen sich spürbare politische Wirksamkeit"
„Unsere Demokratie steht von innen und von außen unter Druck. Wer Demokratie fördern will, muss wissen, wo sie stark ist und wo Handlungsbedarf besteht. Der Hessenmonitor liefert dafür eine wissenschaftliche Grundlage. Er zeigt: Unsere Demokratie verfügt über ein starkes Fundament. Die Menschen in Hessen stehen zur Demokratie, fühlen sich ihrem Land und ihren Kommunen verbunden und haben Vertrauen in unsere Institutionen“, so Wissenschaftsminister Timon Gremmels. „Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass demokratische Unterstützung nicht selbstverständlich ist. Viele Menschen vermissen, dass Politik zuhört und Veränderungen bewirken kann. Sie wünschen sich spürbare politische Wirksamkeit. Deshalb müssen wir Entscheidungen nachvollziehbarer machen und die Menschen stärker an politischen Prozessen beteiligen.“
„Die Befunde sprechen nicht für Demokratiedistanz, sondern für einen hohen Anspruch an demokratische Praxis. Wer Demokratie stärken will, muss die Erfahrungsseite ernst nehmen: Gehört werden, nachvollziehbare Entscheidungen und sichtbare Wirksamkeit sind zentrale Ressourcen demokratischen Vertrauens“, so Prof. Dr. Isabelle Borucki, Co-Sprecherin des Hessen-Monitor-Teams zur Einordnung der Gesamtergebnisse.
30.000 Personen für Studie kontaktiert
Für den Hessen-Monitor kontaktierte das Forschungsteam zwischen Mai und Juni 2026 insgesamt 30.000 Personen, um eine Zufallsstichprobe zu bilden. Mehr als 4.000 Interviews mit Menschen zwischen 19 und 86 Jahren wurden geführt. Die Studie soll demokratische Einstellungen, gesellschaftliche Entwicklungen sowie Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beobachten.
Hohe Unterstützung für die Demokratie
Die Ergebnisse zeigen eine außerordentlich hohe Unterstützung für die Demokratie bei den Hessen und Hessinnen: 95,4 Prozent der Befragten befürworten die Demokratie als Idee, 92,3 Prozent zeigen sich mit der Demokratie des Grundgesetzes zufrieden. Kritischer fällt jedoch die Bewertung der politischen Praxis aus. Nur 64,3 Prozent sind mit dem Funktionieren der Demokratie im Alltag zufrieden. Die Forschenden sprechen von einer „Performanzlücke“ zwischen der Zustimmung zur Demokratie als Idee und der Bewertung ihrer praktischen Umsetzung.
Regionale Verbundenheit und Unterschiede
Ein weiterer zentraler Befund betrifft die regionale Verbundenheit. 85,2 Prozent der Befragten fühlen sich ihrer Gemeinde verbunden, 81,4Prozent dem Land Hessen. Die Studie zeigt damit, dass demokratische Erfahrungen vor allem vor Ort gemacht werden – in Kommunen, Vereinen, Nachbarschaften und öffentlichen Einrichtungen.
Gleichzeitig werden regionale Unterschiede deutlich wahrgenommen. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht große Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen.
Wirtschaftliche Lage offenbart Spannen
Auch die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage offenbart interessante Spannen. Während rund 80 Prozent ihre persönliche wirtschaftliche Situation positiv bewerten, beurteilen lediglich 26 Prozent die wirtschaftliche Lage Deutschlands positiv. Das ist politisch wichtig, weil ein allgemeines Krisengefühl auch dann entstehen kann, wenn die persönliche Lage stabil ist.
Mit Blick auf mögliche Krisen in den kommenden Jahren zeigt sich die Bevölkerung aufmerksam, aber grundsätzlich zuversichtlich. Mehr als zwei Drittel trauen den lokalen Behörden zu, im Krisenfall angemessen zu handeln.
Über den Hessen-Monitor
Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur fördert den Hessen-Monitor bis 2027 mit mehr als 200.000 Euro. Damit entwickelt Hessen eine starke Faktenbasis der Demokratieforschung mit nationaler und internationaler Sichtbarkeit. Der Hessen-Monitor wird seine Arbeit bis ins Frühjahr 2027 unter anderem in thematischen Fokusgruppen fortsetzen, in denen bestimmte Einschätzungen in kleinen, unterschiedlich zusammengesetzten Diskussionsgruppen vertieft diskutiert werden. Weiterhin wird nach dem nun vorliegenden Kurzbericht eine umfassende Gesamtuntersuchung vorgelegt. Interessierte können ebenfalls über das Daten-Explorations-ToolÖffnet sich in einem neuen Fenster Einblick in die Daten nehmen. Die Studie wurde bewusst so gestaltet, dass eine Vergleichbarkeit mit ähnlichen Studien in anderen Bundesländern gegeben ist.
Die Konzeption und Pilotstudie des Hessen-Monitors ist Teil des Programms „Stärkung der Demokratieforschung in Hessen“, das Minister Gremmels unmittelbar nach Amtsantritt initiiert hatte.